Projektdaten & -fakten “Häusliche Gewalt”

Zahlen

Da es schon immer sehr viele Anfragen im Themengebiet „Häusliche Gewalt“ gab – auch von anderen Institutionen wie Jugendämtern, frauenspezifischen Einrichtungen, Justizvollzugsanstalten, Bewährungshilfe, Beratungsstellen und niedergelassenen Psychotherapeuten/Ärzten –, ist die Arbeit mit diesem Klientel traditionell ein Bestandteil unseres Gesamtwirkungsfeldes.

Bereits seit 1999 sind wir an einem Runden Tisch beteiligt, der ein an Bielefelder Möglichkeiten orientiertes Interventionsprojekt etabliert hat. Die man-o-mann männerberatung hat innerhalb dieser Kooperation 2002 ein Konzept entwickelt, welches die Grundlage der Arbeit mit den gewalttätigen Männern ist: www.detlef-vetter.de/antigewalt.pdf.

Dennoch war die Arbeit im Tätigkeitsfeld „Häusliche Gewalt“ lange Zeit nicht so effektiv, wie sie hätte sein können, da uns das völlige Fehlen einer einzelfallübergreifenden Finanzierung in vielen Fällen nicht einmal eine beraterische Einzelbegleitung der anfragenden Männer erlaubte, auf keinen Fall aber die Institutionalisierung einer Gruppenarbeit mit betroffenen Männern sowie die notwendige Vernetzungs-, Konzept- und Öffentlichkeitsarbeit. Das Verhältnis von Anfragen (von Seiten einzelner Männer oder aber der sie betreuenden Institutionen) zu tatsächlich stattfindenden Beratungssequenzen lag daher bis ins Jahr 2011 hinein bei 10:1 oder noch negativer.

Daher freuen wir uns sehr, dass uns das Justizministerium des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Projekts „Förderung der Täterarbeit als Mittel der Gewaltprävention und der Haftvermeidung“ seit dem vierten Quartal 2011 (und hoffentlich auch in den kommenden Jahren) Fördergelder für die Arbeit mit Männern, die gegenüber der (Ex-)Partnerin gewalttätig waren, zuweist. Mithilfe dieser Fördermittel konnten wir unsere beraterische Tätigkeit im Bereich „Häusliche Gewalt“ sprunghaft intensivieren und Ende 2016 ebenfalls auf den Standort Detmold ausweiten – wie schon zuvor im Bereich “Sexualisierte Gewalt”. So konnten etwa im Jahr 2016 in Bielefeld zwei komplette Gruppenzyklen für Täter Häuslicher Gewalt (mit insgesamt 26 Männern) absolviert werden. 5 dieser Männer wurden nach 2 oder 3 Sitzungen aus inhaltlichen Gründen (großes Ausmaß psychischer Probleme, extreme Kommunikationsschwierigkeiten im Gruppensetting, teilweise auch grundlegende Unfähigkeit, Gruppenregeln einzuhalten) ins Einzelsetting genommen, zwei weitere Männer nach 5 bzw. 12 Sitzungen aus organisatorischen Gründen – alle 7 befinden sich zum Jahreswechsel noch in Behandlung. 9 Männer haben das Gruppenprogramm voll durchlaufen, ein weiterer hat immerhin 11 Termine absolviert (was natürlich nicht als „abgeschlossen“ gilt). Weitere 9 Männer haben nur an maximal 4 Terminen teilgenommen. Das bedeutet insgesamt eine Drop-out-Quote für das Gruppenprogramm von 38%, die durchaus zufriedenstellend ist – zumal ja bei Abbrüchen immer wieder auch organisatorische Faktoren wie Wohnortwechsel oder Arbeitsaufnahme eine Rolle spielen.

Mit 15 Männern, die entweder für das Gruppenprogramm nicht in Frage kamen oder – wie beschrieben – nach einigen Gruppentreffen ins Einzelsetting übergeleitet wurden oder aber gruppenbegleitend Einzelgespräche benötigten oder aber sich zu einem Zeitpunkt anmeldeten, an dem der nächste Gruppenbeginn in zu weiter Ferne lag, konnten mittelfristige einzelberaterische Sequenzen (2-5 Sitzungen) und mit 12 Männern längerfristige einzelberaterische Sequenzen (mehr als 5 Sitzungen) initiiert werden. 2 Männer wurden an andere Institutionen weiterverwiesen.

Mit 9 der insgesamt 66 Männer, die im Förderungszeitraum 2016 ein Erstgespräch in unserer Einrichtung hatten, konnte nach dem Erstgespräch keine Zusammenarbeit initiiert werden. Weitere 21 Männer haben die Beratung in 2016 nach mehr als einer Sitzung abgebrochen oder wurden ausgeschlossen. Wir konnten also insgesamt 45% der Männer, die in 2016 zu uns kamen, nicht erfolgreich anbinden. Da diese sogenannte Drop-out-Quote im Bereich Häusliche Gewalt erfahrungsgemäß sehr hoch ist, ist dieser Wert durchaus positiv zu betrachten.

Insgesamt ist in 2016 sowohl die Drop-out-Quote als auch der Prozentsatz erfolgreicher Beratungsabschlüsse leicht gestiegen – auf „Kosten“ der Anzahl der zu Jahresende laufenden Beratungssequenzen, die in 2015 aber auch deswegen deutlich erhöht war, dass wir aus Kapazitätsgründen viele Beratungsverläufe zeitlich etwas strecken mussten.

 

Inhalte

Inhaltlich ist es das oberste Ziel unseres Anti-Gewalt-Programms, die Männer zu befähigen, Beziehungskonflikte gewaltfrei zu lösen und Krisen in der Beziehung gewaltfrei zu bewältigen. Dieses Ziel ist über die Arbeit auf verschiedenen Ebenen zu erreichen und zu festigen. Der Verzicht auf Gewalt setzt eine verbesserte Selbstwahrnehmung und -kontrolle voraus. Die Einsicht, das eigene Verhalten steuern zu können, ermöglicht erst eine Verantwortungsübernahme für die Tat(en). In diesen Bereich gehört die kleinschrittige Aufarbeitung von gewalttätig eskalierenden Situationen, damit der Mann solche kritischen Situationen und mögliche Verhaltensalternativen besser erkennen kann. Ebenso soll seine Wahrnehmung von Stressfaktoren und Alarmzeichen geschult werden – hierzu gehören insbesondere körperliche Zeichen (z.B. Herzschlagerhöhung, Luft-Anhalten, aber auch Fäuste-Ballen oder Schreien) oder aber Gedanken, die eine Gewalttat vorbereiten (z.B. „Was denkt sie denn, wen sie vor sich hat …“).

Im Bereich der Verbesserung der Selbstwahrnehmung steht eine differenzierte Wahrnehmung der eigenen Gefühle und deren adäquatere Mitteilung im Vordergrund. Die Teilnehmer lernen weiterhin auf dem Hintergrund ihrer Lebensgeschichte zu verstehen, welche Situationen sie grundsätzlich als so selbstwertbedrohend einschätzen, dass ihnen der Einsatz von Gewalt bisher gerechtfertigt erschien. Beim Training sozialer Fertigkeiten üben die Männer, eigene Bedürfnisse und Wünsche in der Beziehung wahrzunehmen und gewaltfrei zu verhandeln. Ebenso lernen die Teilnehmer, bei Abwertungen und Kränkungen, die sie durch ihre Partnerin erfahren, diese adäquat zu konfrontieren und dabei die eigenen und die Grenzen des Gegenübers zu wahren. Da die Defizite der Teilnehmer in den einzelnen Bereichen unterschiedlich sind, wird der jeweilige Therapieprozess und der Grad der Zielerreichung natürlich von Mann zu Mann differieren.

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