Projektdaten & -fakten “Sexualisierte Gewalt”

Zahlen

Schon bald nach Gründung der man-o-mann männerberatung im Jahre 1990 erreichten uns die ersten Anfragen bezüglich therapeutischer Arbeit mit Männern, die ein Sexualdelikt begangen hatten. Nach intensivem Austausch und auch Kooperation mit anderen Therapeuten übernahmen wir schließlich erste Therapien. Gleichzeitig warben wir für die Finanzierung dieser Therapien bei spezifischen Institutionen, in der Öffentlichkeit und beim Land NRW. Seit 2001 wird die therapeutische Arbeit mit Sexualstraftätern im Rahmen des Projekts „Ambulante therapeutische Maßnahmen für Männer, die ein Sexualdelikt begangen haben“ durch das Justizministerium Nordrhein-Westfalens bezuschusst. Den zu leistenden Eigenanteil müssen wir über Bußgelder abdecken. Von Seiten verschiedener Behörden und Einrichtungen wurde das erweiterte Angebot der man-o-mann männerberatung schnell wahrgenommen und ist mittlerweile eine feste Größe in der Kooperation zwischen Justiz, Bewährungshilfe, städtischen Ämtern, Justizvollzugsanstalten, Rechtsanwälten, sozialen Einrichtungen und eben der man-o-mann männerberatung.

In 2013 konnten wir dank zusätzlicher Fördermittel die Ausweitung unseres therapeutischen Angebots in den Landkreis Lippe hinein initiieren. Seither können wir in unserer Zweigstelle in der Detmolder Innenstadt an einem festen Wochentag regelmäßige Einzeltherapiesitzungen durchführen. (Ein Gruppenangebot ist aus Kapazitätsgründen auch für 2017 noch nicht vorgesehen.) Das Problem, die Termine für die (teilweise berufstätigen) Klienten alle auf diesen einen Wochentag zu legen, ist natürlich nicht unerheblich, sodass teilweise Klienten aus dem Landkreis Lippe weiterhin in die Beratungsstelle in Bielefeld kommen müssen.

Derzeit sind sieben Mitarbeiter (teils ehrenamtlich, teils als Honorarmitarbeiter) für die man-o-mann männerberatung tätig. Alle sieben verfügen über psychotherapeutische Zusatzausbildungen und sind seit vielen Jahren in der Männer- und Täterarbeit beschäftigt, haben teilweise auch in diesem Fachgebiet publiziert.

Im Jahr 2016 hatten wir Kontakt zu 109 Männern (2015: 80, 2014: 81, 2013: 94, 2012: 79, 2011: 63, 2010: 57), darunter waren 73 Männer, die sich in diesem Jahr erstmalig meldeten. Mit 94 der 109 Männer wurde in 2016 eine Therapie durchgeführt. 15 Männer entschieden sich gegen eine therapeutische Behandlung – sie nahmen jeweils maximal 2 Beratungsgespräche in Anspruch. Von den 94 Therapien wurden 8 abgebrochen und 29 regulär beendet, so dass sich zum Jahreswechsel noch 57 Männer in Therapie befanden.

Neben den Einzelgesprächen findet eine Gruppe für Männer, die sexuellen Missbrauch begangen haben, parallel während des gesamten Jahres statt. Zwei Mitarbeiter leiten diese Gruppe, die mit acht Plätzen und als offene Gruppe konzipiert ist, d.h. frei werdende Plätze werden wieder von neuen Klienten belegt. In der Gruppe werden Männer behandelt, die Missbrauch oder sexuelle Beleidigung begangen haben oder sich im Internet kinderpornographische Bilder oder Filme angesehen und diese weiterverbreitet haben. Seit Ende 2015 gibt es zudem eine weitere Gruppe ausschließlich für jene stetig ansteigende Zahl von Männern, die ein Delikt im Bereich “Kinderpornoprahie” begangen haben.

Großen Wert legen wir auf Kooperation und Informationsaustausch mit anderen Einrichtungen. Mit SozialarbeiterInnen und PsychologInnen aus Justizvollzugsanstalten, BewährungshelferInnen, MitarbeiterInnen der Sozialen Dienste der Stadt aber auch RechtsanwältInnen und BetreuerInnen tauschten wir uns – nach Schweigepflichtsentbindung durch die Klienten – aus und informierten über den Therapieverlauf. Weiterhin gab es fallübergreifende Besprechungen mit KollegInnen der Bewährungshilfe.

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